| Der Campus-Charakter in Geisenheim soll weiter ausgebaut werden. | |  | |
Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tageblatt
Fotos: RMB/Margielsky Vom 20.05.2006
GEISENHEIM Der Fachbereich Geisenheim der Fachhochschule Wiesbaden ist im Wettbewerb um Studenten gut gerüstet. Der Boom im Studiengang Weinbau und Getränketechnologie hält weiter an. Von
Bernd Minges
1017 Studenten zählt der Fachbereich Geisenheim in diesem Sommersemester, 8100 sind es insgesamt an der Fachhochschule Wiesbaden. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Studentenzahlen in Geisenheim fast verdoppelt, sagt Professor Otmar Löhnertz. "Im Weinbau ist die Grenze erreicht", stellt der Dekan des Fachbereichs fest.
Teils VollauslastungMit 529 jungen Männern und Frauen, die künftig in der Weinbranche arbeiten wollen, seien Weinbau und Getränketechnologie voll ausgelastet. Hinzu kommen 118 Studenten, die den neuen sechssemestrigen Bachelor-Studiengang Internationale Weinwirtschaft gewählt haben. In Geisenheim studieren außerdem 223 künftige Landschaftsarchitekten und 147 Gartenbauer, ein Bereich, in dem Geisenheim mit fünf anderen Fachhochschulen und drei Universitäten konkurriert und der nach Angaben des Dekans erhalten und gestärkt werden soll.
Deutschlandweit einzig"Wir sind der einzige Anbieter in Deutschland" erklärt Löhnertz den Run auf die Weinbau-Ausbildung. Doch das war auch in der Vergangenheit so. Dass die Studentenzahlen nach oben geschnellt sind, sei auch auf das größere öffentliche Interesse am Thema Wein zurückzuführen. "Deutschland ist inzwischen kein reines Biertrinker-Land mehr", meint Löhnertz. Der FH-Standort tritt seit einiger Zeit als "Fachbereich Geisenheim" auf. Damit soll die Bedeutung als "grünes Zentrum" mit dem Partner Forschungsanstalt hervorgehoben werden. Diese Verzahnung wird auch durch die Ernennung eines "Campus-Managers" deutlich. Der 38-jährige Robert Lönarz, Diplom-Ingenieur für Weinbau und Oenologie, soll eine "Standort-Identität" aufbauen. Der Vorsitzende der Vereinigung Ehemaliger Geisenheimer ist für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Betreuung von Besuchern und Mobilisierung von Sponsoren zuständig.
Der Fachbereich habe wegen der guten Auslastung auch mehr Geld zur Verfügung, sagt Löhnertz. Das Budget werde zudem durch Drittmittelprojekte, Forschungsaufträge vom Bund, aufgebessert.
Zentrales LaborgebäudeEinen weiteren Aufschwung und Schub erwartet der Fachbereich vom neuen zentralen Laborgebäude. Rund ein Drittel der geplanten 3000 Quadratmeter Hauptnutzfläche sei für die Lehre und Praktika in Labors vorgesehen. Die Arbeitsbedingungen in einigen Labors seien schon seit langem "hart an der Grenze", so der Dekan.
Während die achtsemestrigen Diplom-Studiengänge bei den Landschaftsarchitekten und Gartenbauern auf den Bachelor-Abschluss (nach sechs Semestern) umgestellt wurden, wird im Weinbau noch nach einer passenden Lösung gesucht. Das berufspraktische Semester, das viele Studenten auch im Ausland absolvieren, habe sich sehr gut bewährt, sei aber kaum in ein sechssemestriges Studium zu integrieren. Die Geisenheimer Absolventen sollen in der Lage sein, einen Betrieb zu leiten und brauchen dafür die wissenschaftlich fundierte Ausbildung und den Praxisbezug, wie er in der Fachhochschule vermittelt wird. "Die Studenten müssen ihren Sekt selbst machen und Reben schneiden können", betont Löhnertz, der das Fachgebiet Bodenkunde und Pflanzenernährung sowie das Institut Biologie der Forschungsanstalt leitet. Eine weitere wissenschaftliche Orientierung ist in einem zusätzlichen Masterstudiengang möglich, der auch für Landschaftsarchitektur und im nächsten Jahr im Gartenbau angeboten wird.
Weitere Studiengänge?Es werde derzeit vorsichtig ausgelotet, ob noch weitere Studiengänge angeboten werden könnten, die zu Geisenheim passen. Ebenso wie der Direktor der Forschungsanstalt sieht auch Löhnertz in der beruflichen Weiterbildung ein neues Standbein für Geisenheim.
Die Fusionsbemühungen der Fachhochschule Wiesbaden und Frankfurt werden in Geisenheim aufmerksam beobachtet. "Unsere Bedeutung wird dann nicht größer werden", sagt der Dekan zurückhaltend. Aber andererseits gebe es in Frankfurt keine Konkurrenz für die Geisenheimer Studiengänge.
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