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DJ Bobo vs.WEINELF Deutschland

 

Ein Zitat aus (NZZ-23-04-2006/Martin Helg - Illustration:Arifeaksoy.ch)  auf www.djbobo.ch 

 

"DJ Bobo aus Kölliken (AG) ist der erste Schweizer Weltstar des Musikgeschäfts. Er fabriziert den Sound für die globale Provinz.

Von Martin Helg

Wer ein wenig abseits lebt, hat schnell das Gefühl, er erlebe nicht, was er mittendrin erleben könnte. Der Aargauer wünscht sich nach Zürich. Der Zürcher wünscht sich nach New York. Der Bosnier aber denkt, das Zentrum könnte in Kölliken liegen. Also im Aargau. Es begab sich, dass der Bosnier eingeschlossenen war im Kessel von Sarajewo. Serbische Kugeln pfiffen ihm um die Ohren, und als das Radio lief, hörte er die Stimme Köllikens. «Respect yourself», sang die Stimme. «Respect yourself. Change your mind». Der Bosnier fasste Mut, machte sich auf durch die Schusslinien und holte Wasser.

Die Stimme Köllikens ist Bobo - der Schweizer, der das Fernweh ad absurdum führt. Die Anekdote mit dem Bosnier hat dieser ihm selbst erzählt, als Bobo nach Kriegsende in Sarajewo ein Konzert gab. Sie markiert das Extrem einer verblüffenden Erfolgsgeschichte. Getragen von sphärischen Akkorden und Marschrhythmen, haben die Ohrwürmer des gelernten Bäcker-Konditors Weltgeltung erlangt. Sie sind der Trost der Provinz, wie bunte Limonade fluten sie die Landschaften des Planeten, die für den sogenannt guten Geschmack unerreichbar bleiben. Bobos Lieder schmecken süss, selbst wenn sie vom Leid der Welt handeln; stets hört man den Spass heraus, den der DJ bei ihrer Fertigung hatte.

Denkt er dabei ans Gemeinwohl? So scheint's. «Ich habe einen Weltverbesserungs-Tick», sagt er und schiebt sich eine Stäbchenladung Jasminreis in den Mund. Bobo hat einen Medientag in Zürich, er stärkt sich gerade fürs Fernsehen. Vorher kommt noch ein Sympathisant mit Tochter an seinen Tisch. Die Tochter will ein Autogramm. Bobo plaudert mit ihr, sie gehört zu seinen Verehrern, genau wie der Vater. Nur die Generation zwischen den beiden ist ihm abtrünnig geworden: Ausgerechnet der Harst der Disco-Gängerinnen und Hitparaden-Hörer und die ihn vor 13 Jahren gross gemacht haben. Jetzt sagen sie, uncooler geht es nicht. Ein 38-Jähriger, den man mit Teddybären bewirft! Der Eurodance, der Bobo nach oben trug, ist verebbt. Aber der DJ ist fröhlich gestrandet. Als praktisch Einziger hat er überlebt, indem er richtig singen lernte und sich treu blieb.

Glück für Bombay

Kürzlich schaffte es sein Best-of-Album wieder auf Platz eins der Schweizer Hitparade. Bobo zuckt nur mit den Schultern. «Zahlen!», sagt er. Sie lassen ihn kalt. Er lebt von Menschen. Von dem kleinen Patienten im Wachkoma, der plötzlich auf «Chihuahua» reagiert, seinen Sommerhit von 2002. Im Konzert schleckt das Kind den DJ ab. «Behinderte fühlen sich zur Figur Bobo hingezogen», sagt Bobo. Er betont das Wort «Figur», als sei das nicht er, sondern die Firma mit den acht Angestellten, die Konzerte füllt in Tirana, Bombay und Ulaanbaatar. Kein Weg ist dieser Firma zu weit. Und was die Drittweltländer betrifft, so darf man dem DJ glauben, dass er sie nicht aus Profitgier bereist. Ihn berührt, wie Menschen vor Kartonschachtel-Häusern an der Strasse hocken und betteln, während er mit Polizeieskorte vorbeibraust. Und wie dieselben Menschen abends strahlend und glücklich im Konzert sitzen.

Bobo ist der erste Schweizer Weltstar. Zehnmal hintereinander gewann er den World Music Award, den Preis für die besten Verkaufszahlen, und im Deutschland der neunziger Jahre verkaufte er mehr Platten als Madonna. 1996 engagierte ihn Michael Jackson für das Vorprogramm einer Osteuropa-Tournee. Aber die Hand geschüttelt hat er dem Kölliker nicht. Schwach war das Rendement des Amerikaners, seine Entourage ein «Sauhaufen von Häuptlingen, schmierigen Typen mit Schlagringen». Bobo war froh, sein eigener Herr zu sein. Künstlerisches, Plattenproduktionen, Rechtsfragen, alles erledigt er selber und sauber. Er sagt: «Das Kleinkarierte, das uns Schweizer an uns selbst stört, ist nicht schlecht»; denn hey, er kenne viele Künstler, talentiertere als er. Doch mangels Fleiss hätten sie weniger erreicht.

Vormittags setzt sich Bobo hin wie Thomas Mann, entwirft Texte und lässt erst ab, wenn er «ans Rüeblischälen» denkt. Auf geniale Zeilen wartet der DJ nicht mehr. Sein Schulenglisch hat er als Stärke erkannt: Es macht ihn glaubwürdig bei den Fans, die ihrerseits um Worte ringen. Auch seine Musik ist einfach gestrickt, will nichts sein ausser positiv und mehrheitsfähig. Bobo empfindet Vorhandenes nach und montiert es neu mit sicherem Instinkt. Für seinen ersten Hit musste er dem Sänger Rockwell Tantièmen abtreten.

Beckmesser behaupten, zwischen Bobo und Michael Jackson liege ein musikalisches Universum. Bobo ist der Letzte, der dem widerspricht. Dass er sein Talent für bescheiden hält, gehört zur Ironie seines Erfolges. Höchstens «die Mischung» dünkt ihn genial. Andrerseits ist ihm Anerkennung wichtig. Er hört auf Kritiker und ist so souverän, die Verachtung der Fachwelt sachlich zu deuten: «Meine Musik hat keine Lobby», sagt er. «Jede andere Stilrichtung ist zum Vornherein wichtiger.» Missgünstig ist Bobo deswegen nicht geworden, im Gegenteil: Das Vertrauen ins eigene Erfolgsmuster hat ihm den bewundernden Blick bewahrt. Er verehrt Jackson, weil der singe und tanze wie kein Zweiter - «dafür hat er extreme Defizite im andern Leben».

Grenzen der Normalität

Mit dem anderen Leben meint Bobo auch ein normales Mediengespräch. Er stochert dazu im Reis, bleibt aber gesammelt wie ein Tibeter. Er trägt das Bobo-Gesicht aus dem Fernsehen, das Kinnbärtchen und einen Pulli mit Reissverschluss. Das Lokal in Oerlikon ist leer. Niemand ist da, der sich nach Bobo umdrehen und einen «doppelt lustigen Spruch» riskieren könnte, in der Hoffnung auf ein Echo von ihm, dem geborenen René Baumann, der doch nur eins will, nämlich . . . «nichts, mein Ding machen», sagt Bobo.

So ist er eben. Raucht nicht, trinkt nicht. Wenn andere Stars Affären erklären, erzählt der DJ, warum seine Frau am Wickeltisch den Ton angibt. Sein Bemühen um Normalität macht Bobo den Schweizern glaubwürdig. Allerdings stösst er dabei an Grenzen. Undenkbar, dass er mit dem Sohn die Badi besucht. Sobald jemand Bobo erkennt, will er diesen Mann knuddeln, der so viele Millionen verdient. Beim Fussball lässt kein Kumpel von ihm ab - als sei er nur als Tackling-Opfer volksverträglich. So lebt unser Star in zwei Sphären, und manchmal ärgert ihn, dass er den Namen «Bobo» nicht rechtzeitig abgestreift hat. Wer so albern heisst, muss sich nicht wundern, dass ihm Japan, Frankreich und England nicht zu Füssen liegen, genauso wenig wie die USA.

In Manila spielte Bobo in einem Shoppingcenter und wurde dabei nicht einmal zynisch. «Überheblichkeit ist unangebracht», sagt er mit einer Ernsthaftigkeit, die man nur in der Jugend erwirbt. Bobos Jugend war schwierig; auch das mag die Massen trösten. Sein Stiefvater, dauerbetrunken, schlug die Mutter. Bobo floh auf den Fussballplatz, wollte Profi werden, wurde Platzwart von Kölliken und war damit schon im Zentrum angekommen: dort, wo seine Lieder hinzielen. Er hat sich niemals weggewünscht. Die Provinz dieser Welt hat es ihm gedankt."

 

 



Das Spiel

Wann:

4. September 2008

19.30 Uhr

 

Wo:

N.N.,Schweiz

 

Das Spiel musste leider wegen des frühen Herbstes und den warmen Temperaturen abgesagt werden, weil die Winzer in die Lese mussten! Wir freuen uns auf 2009!

 

Weitere Infos

www.djbobo.ch