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Geisenheimerinnen im BPS: Royal Botanic Gardens Kew, London

 

Mein erstes Praktikum im Botanischen Garten der Universität Mainz, der Besuch verschiedener Gärten und der Wunsch das BPS im Ausland zu absolvieren, haben mich dazu veranlasst mich für das Berufspraktische Semester bei Royal Botanic Gardens, Kew zu bewerben. Ich bekam die Zusage, mein Praktikum im Palm House des Gartens leisten zu können.

 

Das BPS wollte ich in England verbringen um meine Englischkenntnisse zu verbessern. Es war mir wichtig Einblicke in die Organisation, Abläufe und Aufgaben eines Botanischen Gartens zu erhalten, da ich nach Abschluss meines Gartenbaustudiums gerne in einer solchen Institution arbeiten würde. Gerade an der Führung und Leitung eines Hauses, wie dem Palm House, war mein Interesse sehr groß. Daneben war es mir auch ein Anliegen meine Pflanzenkenntnisse zu erweitern und mehr Selbstvertrauen in der praktischen Arbeit zu erlangen.

 

In den ersten Wochen lag mein Haupttätigkeitsbereich im Palm House. Meine Aufgabe war es, den Südteil des Hauses zu betreuen, sprich wässern, sauberhalten und den Schädlingsbefall zu kontrollieren. Daneben standen Reinigungsarbeiten, wie das Säubern der Scheiben, des Fußbodens und der Beschilderung, der Sommerrückschnitt und die Pflege der Außenanlage, an. Danach war ich für die Betreuung des Waterlily House zuständig, was meinen Hauptaufgabenbereich dargestellt hat und der größte und längste Abschnitt meines Praktikums war. Hierzu gehörte den Teich und die Seerosen in Ordnung zuhalten, die Kletterpflanzen aufzubinden und die unter den tropischen Bedingungen im Waterlily House sehr schnell wachsenden Pflanzen in Form zuhalten. Zusätzlich war ich mit einem kleinen Projekt beauftragt, welches sich um die Kübelpflanzen im Nordende des Hauses drehte. Neben diesen Bereichen habe ich kurzfristig auch im Temperate House, der Temperate Nursery und im Rosengarten mit- und ausgeholfen.

 

Dank der liebevollen Betreuung von der Leiterin Emma Fox, dem Vertrauen, das sie in mir entgegen gebracht hat, und der tollen Zusammenarbeit mit allen, die während meiner Zeit im Palm House gearbeitet haben, war das BPS für mich sehr lehr- und erfahrungsreich.

 

Auch wenn ich keine „ingenieurmäßige Aufgabe“ im eigentlichen Sinn hatte, so war die eigenverantwortliche Betreuung des Waterlily House eine große Aufgabe für mich, was mir viel Spaß bereitet hat und Selbstvertrauen gab.

 

Eine besondere Erfahrung war es, vor den Augen der Öffentlichkeit zu arbeiten. Nicht nur an die Tatsache, dass jeder Handgriff genau beobachtet und diskutiert wird, sondern auch an das manchmal etwas unverschämte Verhalten der Besucher, musste ich mich gewöhnen und darauf einstellen. So hat zu meiner Arbeit dazu gehört, genau zu erklären, warum ich was wie mache.

 

Schade ist es, dass der Garten generell etwas vernachlässigt wird und dies stellenweise auch deutlich zu sehen ist.. So wird meiner Meinung nach an den falschen Stellen Geld gespart. Es gibt nicht genügend Arbeitskräfte um den Garten in Ordnung zu halten und ausreichend zu pflegen. Allein die Situation im Palm House zeigt, dass mit drei Arbeitskräften (inklusive der Leitung des Hauses) das Personal sehr knapp bemessen wird. Im Idealfall wären mindestens drei bis vier Gärtner neben der Leitung notwendig, um die einzelnen Abschnitte im Palm House und das Waterlily House ordentlich zu betreuen. Durch die fehlenden Arbeitskräfte gehen langsam die außergewöhnlichen, aber sehr arbeitsintensiven Pflanzen verloren und die große Artenvielfalt, für die Kew berühmt ist, kann nicht erhalten werden. Auch ist die gut lesbare Schwarz – Weiß – Beschilderung aus Kostengründen größtenteils gegen kaum lesbare Aluminiumbeschilderung ausgetauscht worden, was für viele Besucher nicht erfreulich ist. So gibt es viele Entscheidungen, die aus politischen Gründen getroffen werden, aber sich nicht sehr oft positiv für das „Living Collection Department“ von Kew auswirken. Leider ist die generelle Arbeitsmoral und Motivation eher negativ, was glücklicherweise im Palm House nicht der Fall war. Vieles ist von der Leitung der einzelnen Abteilungen abhängig und dadurch variieren der Zustand der Abteilungen, die Arbeitsmoral und die Arbeitsbedingungen sehr stark und Kew Gardens gibt kein einheitliches Bild ab.

 

Die Arbeit im Palm House war für mich voll von positiven Erfahrungen, da ich mit den Pflanzen meines Interessengebietes arbeiten und neben der Erweiterung meiner Pflanzenkenntnis viel dazulernen konnte. Außerdem konnte ich meine Englischkenntnisse erheblich verbessern.

 

Kew Gardens ist ein wunderschöner Arbeitsplatz, neben den beeindruckenden Pflanzen trifft man interessante Menschen, aus aller Welt, die Garten bzw. Pflanzen begeistert sind. So kann ich aus meiner Erfahrung ein Praktikum in Kew empfehlen. Soweit ich weiß soll den Praktikanten in Zukunft auch mehr geboten werden, so dass man neben dem, was der Garten, die Bibliothek und das Herbarium bieten auch einen Eindruck davon erhält, was in der Forschung getan wird. Auch soll das bestehende Studentenwohnheim von Praktikanten genutzt werden können, was sich finanziell gesehen sehr positiv auswirken würde.

 

Anne Sturm

 

 





Oben: Die Autorin, Anne Sturm

Mitte: Das Waterlily-House

Unten: Das Waterlily-House mit Victoria cruciana

(Fotos: Anne Sturm)




The Royal Botanic Gardens, Kew: Palm House (Quelle: The Royal Botanic Gardens, Kew)