Vom Studium in die Praxis: Andrea Galli und Christoph Schäfer | |  | |
Gefunden haben wir uns auf einer der vielen wilden Partys im ersten Semester in Geisenheim – auf der legendären Pfälzer-WG-Party gegen fünf Uhr morgens... und eh wir uns umschauen, neigt sich das Studium dem Ende zu. Viele Erlebnisse haben das gemeinsame Studium geprägt – dennoch ging jeder von uns beiden den „eigenen“ Weg, denn mit unterschiedlichen Zielen und Absichten vor Augen haben wir das Studium begonnen und haben bereits in unterschiedlichen Bereichen unsere Erfüllung gefunden. Viele Dinge haben wir gemeinsam erlebt, z.B. die Praktika in Südafrika und Kalifornien, jedoch immer mit „räumlicher Trennung“, damit jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln konnte. Sicher, die Betriebe lagen auch nie so weit auseinander, dass wir uns aus den Augen verloren hätten. Dass wir jetzt durch die Tätigkeit in unterschiedlichen Betrieben und Bereichen weiterhin unsere „eigenen“ Ziele verfolgen, stellt für uns beide eine Bereicherung und Dynamik dar.
Christoph Schaefer
Mein Zuhause ist das Weingut Willi Schaefer in Graach an der Mittelmosel. Schon seit vielen Generationen wird in unserer Familie Weinbau betrieben, zwar klein, aber fein. Auf ca. drei Hektar stehen Rieslingreben in Steilhängen. Meine Mutter ist Lehrerin, mein Vater passionierter Winzer. Sein Fingerspitzengefühl und seine Liebe zum Wein haben mich schon immer begeistert. Völlig ohne Druck hat er mich mit seiner Begeisterung angesteckt. So begann ich nach Praktika an der Nahe und Mosel das Studium in Geisenheim. Neben dem theoretischen Grundstein, den ich mit dem Studium legen konnte, bot sich während der Semesterferien und durch das neu eingeführte berufliche Praxissemester (BPS) viele Möglichkeiten die Theorie in Praxis umzusetzen. Zum einen nutzte ich die Chance um meinen Vater im elterlichen Betrieb zu unterstützen, zum anderen um über den Tellerrand zu schauen. Bei meinen Praktika im De Wetshof in Robertson / Südafrika und bei Saintsbury in Napa / Kalifornien konnte ich viele wertvolle Erfahrungen in der Kellerwirtschaft und im Weinbau sammeln und meine Sprachkenntnisse vertiefen. Ein gewisser Weitblick und Verständnis für andere Kulturen ist in der Praxis sehr hilfreich, besonders wenn man im Export tätig ist. Viele der gesammelten Erfahrungen kann ich in unserem Weingut umsetzen, auch wenn die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind. Mittlerweile bin ich im achten Semester, dem Diplomarbeitssemester. Während des Studiums wurde ich zunehmend in den elterlichen Betrieb involviert. Gemeinsam mit meinem Vater führe ich nun das Weingut und werde es nach und nach übernehmen. Allzu eilig habe ich es jedoch nicht – denn Kalifornien soll nicht die letzte Auslandserfahrung bleiben.
Andrea Galli
Weinbau? Damit habe ich als Jugendliche nur lästige Arbeit in den Reben verbunden. Zu Hause am Kaiserstuhl führen meine Eltern einen Betrieb mit Wein-, Obst- und Gemüsebau und Brennerei, die Trauben werden an die Winzergenossenschaft abgeliefert – schon früh habe ich zu Hause mitgeholfen, wenn auch nicht gerade aus Begeisterung. Das Endprodukt Wein hat mich schon viel mehr interessiert. Mit Menschen hatte ich schon immer gerne zu tun, deshalb schloss ich an das Wirtschaftsabitur eine Lehre zur Restaurantfachfrau in der Traube Tonbach an. Bald wurde mir klar, dass Wein zum Mittelpunkt werden sollte. Das Hobby Wein wollte ich zum Beruf machen – soviel stand fest. Als Badische Weinkönigin konnte ich mich in der Weinwirtschaft orientieren bis ich ein klares Ziel vor Augen hatte: Weinvertrieb, Weinmarketing und Fremdsprachen.
Lange konnte ich mich nicht für den Weg dorthin entscheiden: Weinbetriebswirtschaft, Internationale Betriebswirtschaft oder Weinbau und Oenologie? Ich entschied mich für das Letztere und bereue meine Entscheidung nicht. Sicher, meckern tut man immer, aber wer sagt mir, dass ich mit einem anderen Studiengang nicht gemeckert hätte?
Vor dem Studium absolvierte ich noch ein Praktikum bei Franz Keller und arbeitete in einem Restaurant in der Provence. Das Studium packte ich mir ebenfalls voll mit Praktika, Stationen waren ein Weinhandelshaus in Bordeaux, ChateauOnline in Paris, Laibach Vineyards in Stellenbosch / Südafrika und Fetzer Vineyards in Hopland / Kalifornien. Bei meinem letzten Praktikum im Visitor Center von Fetzer flatterte mir ein Stellenangebot zu: Verkaufsleiterin beim Weingut Reichsgraf von Kesselstatt an der Mosel. Lange überlegen musste ich nicht – denn diese Stelle entsprach genau meinen Wunschvorstellungen! Als Bindeglied zwischen Weingut und Handelsagenturen wirke ich nun seit Ende des siebten Semesters in den Bereichen Absatzförderung, Neukundenaquise, Motivation, Schulung,...
Geisenheim, all die anderen bisherigen Aktivitäten und nicht zuletzt mein Freund Christoph boten die idealen Voraussetzungen für meine jetzigen Aufgaben.
Eigentlich ist alles in etwa meinen Vorstellungen entsprechend verlaufen, mit einer schönen Panne, denn noch vor wenigen Jahren sagte ich: „Naja, Winzer dürfte er schon sein, aber bloß keiner von der Mosel!“ Wieder um eine Erfahrung reicher weiß ich heute: Auch an der Mosel kann man sein Glück finden – in vielerlei Hinsicht!
Andrea Galli
Christoph Schäfer
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