Vom Studium in die Praxis: Florian Schütz, Diplom-Bananenbieger (Gartenbau) | |  | |
Die Qual der Berufswahl
Zum Glück hatte ich 1993 mein Abi geschafft, aber wie viele andere meines Jahrgangs erstmal überhaupt keine Idee, was ich anschließend machen sollte und war froh, dass ich mit dem Zivildienst nochmal 15 Monate Zeit gewonnen hatte, um mir etwas auszudenken. Sicher war nur: Es darf kein reiner Bürojob sein und es muß was mit Natur oder besser noch mit Naturschutz zu tun haben. Am liebsten wollte ich eigentlich den tropischen Regenwald retten. Nach dem mir ein befreundeter Förster heftigst von einenm Forstwirtschaftsstudium abgeraten hatte, ließ ich den Computer des BIZ (Berufs-Informations-Zentrums) eine individuell angefertigte Liste, der für mich geeigneten Berufe ermitteln. Direkt nach Städteplanung schlug er mir Gartenbau vor. Na bitte!
Also entschied ich mich dafür, ohne nur die leiseste Ahnung von der praktischen Arbeit im Gartenbau zu haben.
Acht Monate Praktikum oder zwei Jahre Gärtnerlehre?
Zum Glück galt zu dieser Zeit in Geisenheim noch die „alte Studienordnung“, die vorsah, vor Studienbeginn mindestens acht Monate Praktikum in einem Gartenbaubetrieb zu absolvieren. Die Arbeit in den Bad Homburger Baumschulen machte mir von Anfang an so viel Spaß, dass ich mich schon nach acht Wochen entschloß, aus dem Praktikum eine Gärtner-Lehre zu machen. Ganz kurz überlegte ich sogar ganz auf das Gartenbau-Studium zu verzichten und mich nach der Lehre sofort der Baumschulpraxis zu widmen.
Studium in Geisenheim
Zum Glück blieb es auch bei dieser kurzen Überlegung, denn die Zeit im Rheingau möchte ich nicht missen!
Zum Glück galt ab 1997 bereits die „neue Studienordnung“! Denn es zeigte sich, dass sich gegenüber der „alten“ einiges verbessert hatte. Zum Beispiel das Projektstudium! Nachdem ich im Grundstudium „Kernchemie“ überstanden und im vierten Versuch sogar den höchsten Berg von Geisenheim bezwungen hatte, stürzte ich mich direkt auf das Projekt Tropischer Gartenbau (inzwischen auch Internationaler Gartenbau gennannt), um mein Fernweh zu stillen und natürlich um den tropischen Regenwald zu retten. Schon während dieses ersten Projektes mußten wir alle das anschließende Berufspraktische Semester (BPS) planen. Da mein Fernweh inzwischen noch stärker geworden war, blieb mir nichts anderes übrig, als das BPS in Südamerika zu verbringen. Die Suche nach einer geeigneten Praxisstelle war kurz. Auf meine erste telefonische Anfrage bei BanaFair, einer Organisation, die fair gehandelte Bananen aus Ecuador importiert, bekam ich die Antwort: „Wir haben gerade gestern beschlossen, mehr Praktikanten einzusetzen“ So ein Glück! Also verbrachte ich die 18 Wochen meines Praktikums zur Hälfte bei Banafair in Gelnhausen und zur anderen Hälfte bei der Kleinbauerngenossenschaft UROCAL in Machala (Ecuador). Ich glaube, dass dieses Semester das war, in dem ich am meisten gelernt habe: Nicht nur über Bananenanbau und Handel, sondern auch über das Leben der Menschen in Ecuador und welche Bedeutung der Verkauf von fairen Produkten zu fairen Preisen für für die Bauernfamilien dort hat.
Ich wählte auch Tropischer Gartenbau II wieder als Projekt - nicht weil ich glaubte hinterher etwas damit im kalten Deutschland anfangen zu können, sondern weil es mich einfach begeisterte. Als einzig "solides" Fach wählte ich Marketing.
Die Zeit vor der Diplomarbeit war für mich der schwierigste Teil des Studiums in Geisenheim. Eigentlich war ich mit der Sache nach einer geeigneten Thema für meine Diplomarbeit schon völlig bedient, aber das reichte natürlich noch nicht: Immer wieder wurde ich gefragt: Was machst Du denn eigentlich danach? Hast Du schon ´ne Stelle? Natürlich hatte ich nix und auch keine Nerven mich auf die Suche zu begeben, wo ich doch noch nicht mal wusste, worüber ich die Diplomarbeit schreiben sollte. Daher kam mir ein Jobangebot für ein Marketingprojekt bei der Firma COCONCEPT in Luxemburg sehr gelegen. Erstens fand ich das Thema Vermarktung von Bio-Produkten sehr spannend und zweitens konnte ich mal wieder etwas Zeit gewinnen und meine Jobsuche aufschieben. " Mit einem Gartenbaustudium kann man fast alles machen!" hat mir in dieser Zeit meine luxemburgische Chefin Marianne Altmann mal gesagt und das ist richtig! Man kann zum Beispiel in den fairen Handel mit Bananen einsteigen.
Arbeit im fairen Handel
Durch den Kontakt zu BanaFair aufgrund meines Praktikums bekam ich die Möglichkeit, parallel zu meiner Diplomarbeit eine Anstellung bei BanaFair e. V. in Gelnhausen anzutreten.
Mein Hauptarbeitsbereich liegt zur Zeit im Vertrieb der Bio-Bananen an den Naturkosthandel. Mittelfristig werden noch Aufgaben in der Importabwicklung hinzukommen. Da wir im Vergleich zu anderen Bananen-Importeuren ein relativ kleiner Betrieb sind, kommen für alle Mitarbeiter immer wieder abwechslungsreiche Arbeiten zum eigentlichen Arbeitsfeld hinzu. Dazu gehört zum Beispiel auch Qualitätskontrollen bei Probelieferungen in der Bananen-Reiferei durchzuführen, die Auslieferungs-Touren zu planen oder auch mal für einen Fahrer einzuspringen und Bananenkisten auszuliefern.
Besonders interessant sind Planungstreffen mit Vertretern anderer Fair-Trade-Organisationen für gemeinsame Veranstaltungen. wie etwa die Faire Woche im September 2003 oder den Ökumenischen Kirchentag der im Mai 2003 in Berlin stattfinden wird. Hier wird BanaFair sich zusammen mit den anderen Akteuren des Fairen Handels mit einem Info-Stand präsentieren. Schon im Februar werden wir auf der Naturkost-Messe Biofach in Nürnberg auf unser Angebot an fair gehandelten Bananen aufmerksam machen.
Im vergangenen November bekam BanaFair Besuch von Davíd Romero aus Ecuador, der als Vertreter der Kleinbauernorganisation UROCAL auf einer Rundreise in Weltläden Schulen und Naturkosthändlern über die Situation des Bananenanbaus in Ecuador berichtete. Für mich war es eine besondere Freude Davíd auf seiner Reise zu begleiten, nachdem er mich zwei Jahre zuvor ja in Ecuador fast jeden Tag mit auf die Fincas der Kleinbauern genommen und mir alles über Bananenanbau erklärt hatte. So konnte ich mich wenigstens ein bisschen revanchieren.
Die Kombination von entwicklungspolitischer Arbeit auf der einen Seite und dem Bananenhandel auf der anderen Seite macht die Arbeit bei BanaFair sehr vielseitig und interessant.
Leider ist der tropische Regenwald immer noch nicht gerettet, aber ich weiß, dass mit jeder verkauften Kiste BanaFair-Bananen die nachhaltige Bewirtschaftung eines Stückchen Landes gesichert wird und ein wichtiger Beitrag zur Versorgung einer Bauernfamilie geleistet wird.
Florian Schütz
Dipl.-Ing. Gartenbau
Geisenheimer Abschluss 2001
VEG-Mitgliedsnummer VEG-2280 Wer ist BanaFair? | |  | |
BanaFair vermarktet Fair-Trade und Bio-Bananen von Kleinbauernorganisationen aus Lateinamerika und der Karibik, kooperiert eng mit den Gewerkschaften der Plantagenarbeiter und finanziert soziale und ökologische Projekte in den Anbauregionen.
In Deutschland betreibt BanaFair eine umfangreiche entwicklungspolitische Kampagnen- und Lobbyarbeit.
BanaFair e. V.
Langgasse 41
63571 Gelnhausen
Tel.. 06051 8366-0
Fax.: 06051 8366-77
e-mail: info@banafair.de
internet: www.banafair.de
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